1/ „Die DDR in ihrem Endstadium war ein Land, dessen Müdigkeit und Verfall auf die in ihm lebenden Menschen abfärbte, die ihrerseits müde und verfallen durch den Tag schwappten, der ein Tag war, dessen Ende man herbeisehnte, aber niemals wirklich erwartete.“
„Diese #Müdigkeit war keine individuelle, keine psychologische, sondern eine strukturelle Müdigkeit. Sie war nicht Ausdruck von Faulheit oder Trägheit, sondern das Ergebnis eines jahrzehntelangen Umgangs mit Forderungen, die ihrerseits entweder aus Unter- oder Überforderungen bestanden; eines Lebens unter Bedingungen, die jedes Versprechen auf Zukunft entwerteten, ehe es ausgesprochen war. Vielleicht, so könnte man sagen, war diese Gesellschaft eine, die das Prinzip Hoffnung durch das Prinzip Erschöpfung ersetzt hatte. Der Mensch, dieser geschundene, vom Produktionsplan genormte Organismus, war im Grunde nichts anderes als eine wandelnde Sollgröße. Seine Funktion bestand darin, zu funktionieren.“
Jetzt also Müdigkeit. Eine neue These über den #Osten. Der Autor Lars Reyer ist 1977 bei #Zwickau geboren, war zur Wende also 12 Jahre alt. Er schreibt über seinen Vater.
Mir ist ja beim Lesen von #KatjaHoyer klar geworden, dass man nicht von DER DDR sprechen darf. Es gab viele DDRen. Einmal zeitlich mit der entsprechende ausgerichteten Politik. Phasen der Entspannung und Anspannung und dann gab es individuell ganz unterschiedliche Erfahrungen. Und es gab lokale Unterschiede.
Mit diesem Vorwort kann ich nun sagen, dass ich mit dem Autor überhaupt nicht übereinstimme. Das ist sicher auf den Altersunterschied zurückzuführen. Lars Reyer berichtet über seinen Vater, der müde und vielleicht resigniert war.
Für mich und viele andere war die Zeit in den 80er Jahren eine Zeit der Empörung aber auch der Hoffnung. In der #Sowjetunion hatte #Gorbatschow übernommen. #Glasnost und #Perestroika zogen ein. Das war auch in den Medien dort wahrnehmbar und schwappt zum Teil auch in die kleine DDR. In der sowjetischen Politzeitschrift Neue Zeit, die es auch in der DDR gab, standen unerhörte Dinge. Der Sputnik wurde verboten, Nummern der Neuen Zeit nicht ausgeliefert. In den Studiokinos der DDR waren Filme wie Vogelscheuche zu sehen, die der sowjetischen Gesellschaft ihr Bild vor Augen hielten in Form vom Umgang von Kindern untereinander. Unglaublich! Jadup und Böl kam in die Kinos. Ein sehr kritischer Film, der jahrelang im Eisschrank gelegen hatte.
Die Menschen äußerten ihren Unmut immer offener. Der Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen wurde 1989 von kirchlich organisierten Gruppen zum ersten Mal nachgewiesen. Meine Schwester war bei Auszählungen in Wahllokalen dabei.
Es gab geduldete Untergrundmusik mit kritischen Texten. (#Punk, #dieAnderenBands) Theaterstücke, in denen man Kritik am Staat finden konnte, wenn man genauer hinschaute als die Zensur.
Die ganze Untergrundkunst in Dresden und Berlin (und sicher auch anderswo). Ausstellungen in Wohnzimmern.
Es brodelte und blubberte überall. Es stank, aber das war Teil vom Ganzen.
Es war klar, dass etwas passieren würde, nur nicht genau was. Bei der Armee mussten wir im Juni alle die chinesischen Propaganda-Filme sehen. Meine Kumpels waren dann auch im Oktober mit Schlagstöcken in Dresden. Ich war zum Glück schon raus.
Wir glaubten, dass wir den weiteren Verlauf würden steuern können, wenn sich die chinesische Lösung vermeiden ließe.
Wir lagen falsch.
Wir waren … wir waren alles, nur nicht müde.
Wir waren naiv.
taz.de/!6152741
Eine große Müdigkeit prägte die letzten Jahre der DDR. Sie schrieb sich in die Körper ein, in die Blicke, Gesichter und Hände. Diese kollektive Erschöpfung ist bis heute zu spüren – und hat auch politische Folgen. Ein Essay
Lars Reyer (taz.de)
Durcheinanderin
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Kristian 🌒
Als Antwort auf Durcheinanderin • •Guten Morgen und danke Dir. Eigentlich ist immer klar, was überwiegt. Nun ja... 🙈😁☕️
Durcheinanderin
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Kristian 🌒
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Lima
Als Antwort auf Kristian 🌒 • • •Sollen die Hoffnungen geschrieben werden oder lieber nicht?😀
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Kristian 🌒
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Lima
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